Lederkiel

Durch die Jahrhunderte wurde mit den verschiedensten Materalien für Plektra experimentiert: es gab unter anderem Plektra aus

  • Vogelfedern (hier soll besonders die Dohle als Lieferant sehr beliebt gewesen sein; man verwendet nur die größten äußeren Schwungfedern – und auch davon wird nur der Schaft (Kiel) verwendet, nicht etwa die Fahne. Vogelkiele wurden in Zeiten der historischen Cembali allgemein zum Schreiben verwendet und man hatte eine alltägliche Handhabungserfahrung damit).
  • Messingblech oder Messingdorne
  • Fischgräten und mancherlei anderes Material
  • seit ca. dem 20. Jahrhundert auch diverse Arten Kunststoff
  • und eben auch Leder

Im historischen Cembalobau ist vor allem das „Peau de Buffle“-Register bekannt (z.B. bei Pascal Taskin). Dabei handelte es sich wohl (wie der Name schon verrät) um ein (eher weiches) Büffelleder, das vermutlich das sanfte Anzufen einer Fingerkuppe (also gerade ohne Einsatz des Fingernagels) immitiren sollte.

Die „moderne“ Art des Lederkiels ist Sohlenleder, wie es auch in der Schuhmacherei verwendet wird. Das ist ein hartes, dichtes Rindsleder, das gegerbt und zumindest teilweise auch gepresst wird. Im Cembalobau wurde versucht, durch die Richtung des Schnittes (mit dem Strich) eine gewisse Haltbarkeit zu erreichen. Zudem wurde oft das Leder getränkt (z.B. mit Leinölfirnis), um ihm einen größeren Anzupfwiderstand zu geben.

Trotzdem nutzt sich Leder relativ schnell ab, bildet an der Kielspitze einen „Papageien-Schnabel“ aus (an dem der Springer beim Zurückfallen schnell mal auf der Saite hängen bleibt, und ermüdet auch nach einer gewissen Zeit. Wenn es gealtert ist, wird es spröde und brüchig.

Die Qualität des „Kielleders“ wurde im Lauf der Jahrzehnte immer schlechter (was vermutlich an Veränderungen in der Tierhaltung und bei den Gerbverfahren liegt), so dass heute Instrumente aus verschiedenen Jahrzehnten mit zeitgleich unbrauchbar gewordenen Lederkielen in die Werkstatt kommen.
Das „Reinpopeln“ eines Delrinkiels in den Rest des alten Lederkiels ist für mich weder fachmännisch noch besonders erfolgversprechend: der neue Kiel wird einfach nicht zuverlässig eingespannt! Außerdem nehmen gerade die gezeigten Kunststoffzungen (vermutlich aus Trolon) Manipulationen sehr übel: nicht selten bricht die Zunge an der Kiel-Oberkante ab, wenn man versucht, den Kiel zu erneuern!

Die richtige Lösung ist das Ersetzen der kompletten Zunge durch eine neue mit passender Öffnung für den Delrin-Flachkiel.