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Warum verstimmt sich ein Klavier?

Warum verstimmt sich ein Klavier?

Warum verstimmt sich eigentlich ein Klavier?

 

Neue (oder auch neubesaitete) Instrumente sinken am Anfang stark in der Tonhöhe ab, weil sich die Saiten bleibend „strecken“ und die gesamte statische Konstruktion der enormen Gesamtzugkraft der Besaitung nachgibt.
Daher sollte in den ersten 3 – 5 Jahren der Service etwa halbjährlich erfolgen (das ist auch fürs Spielwerk gut, an dem ebenfalls am Anfang etwas nachgearbeitet werden muss, z.B. Nachziehen der Verschraubungen, etc.)

Auch nach den ersten 5 Jahren verstimmen sich die Instrumente noch! Das hat vor allem mit dem wechselnden Raumklima am Standort zu tun. Wir haben in unseren Breiten eben einfach vier Jahreszeiten mit jeweils eigenen Klimabedingungen, die mit etwas zeitlicher Verzögerung auch in geschlossenen Räumen stattfinden (womit sich auch die Frage nach der optimalen Jahreszeit fürs Stimmen gleich beantwortet: es gibt sie nicht!)

Wichtig ist die Regelmäßigkeit im Service!
In den meisten Fällen hat sich ein jährlich durchgeführter Service bewährt!

„Phasenverschiebung“:

Auch wenn es draußen schon winterlich kalt ist, kann das Klavier noch im „Sommer-Zustand“ sein!

Das hat folgende Gründe:

  • Bis sich im Wohnraum das Winterklima einstellt, wird zuerst allen „Feuchtespeichern“ soviel wie möglich eingespeicherte Feuchte entzogen: das Funktionsprinzip ist folgendes:
    • beim Austausch der Raumluft (Lüften, offene Türen, usw.) nimmt die entweichende Luft ihre Feuchte mit. Die eindringende kühle Luft ist kältegetrocknet, bringt also kaum nenneswert Feucht mit. Durch das Erwärmen dieser Luft sinkt ihr Sättigungsgrad (bezüglich der Feuchte) noch weiter.
    • die „frische“ Luft stellt jetzt einen Feuchteausgleich mit dem Wohnraum her: dabei wird dem Baukörper und dem Mobiliar solange Feuchte entzogen, bis sich eine Art Gleichgewicht einstellt: die urprünglich trockene Luft, wird feuchter, alles andere trockener – überigens auch der Mensch: das bemerken viele an sich selbst: die Haut wird spröder, die Atemwege trocknen schneller aus, usw.
  • Erst, wenn Mobiliar und Baukörper keine Feuchte mehr abgeben können, wird die Luft im Wohnraum trocken! Das ist im Vergleich zur Außenluft verzögert!
  • Beim Klavier ist es entsprechend: die Lackierung (u.a. des Resonanzbodens, auf den es beim Verstimmen besonders ankommt) verzögert das Entziehen der eingespeicherten Feuchte!

Deswegen ist es sinnvoll, mit der Raumluftbefeuchtung frühzeitig zu beginnen: ich rate dazu ab ca. 45% relativer Luftfeuchte!

Die gleiche Verzögerung gibt es auch beim Winter-Sommerwechsel in umgekehrter Richtung.